
Über eine Kollegin bin ich auf den pointierten Beitrag gestoßen. Er erinnert daran, wie entscheidend unsere Wortwahl im Gespräch mit Menschen ist, die an Krebs erkrankt sind. Nicht selten sprechen wir vom „Kampf gegen den Krebs“, von „Heldinnen und Helden“ oder davon, jemand habe den Kampf „verloren“. Solche Formulierungen sind meist gut gemeint, können aber zusätzlichen Druck erzeugen. Denn wer schwer erkrankt oder stirbt, hat nicht zu wenig gekämpft – Krankheit ist weder eine Frage der Willenskraft noch ein persönliches Versagen. Mit einem lachenden und zugleich einem weinenden Auge habe ich deshalb den folgenden Abschnitt gelesen: „Kampf.“ Das impliziert, dass der Patient Waffen hat. Der Patient hat keine Waffen. Er trägt ein Papierhemd, das angeblich hinten geschlossen werden kann, was aber nicht stimmt. Offenbar kann die moderne Medizin zwar das menschliche Genom entschlüsseln, aber kein Kleidungsstück entwerfen, das verhindert, dass der Hintern die gesamte Onkologieabteilung begrüßt. Da steht man nun, tapfer im „Kampf“ gegen den Krebs, während man sich wie eine viktorianische Herzogin im Windkanal am Rücken des Hemdes festklammert und versucht, die letzten Reste Würde zu bewahren, während eine Krankenschwester sagt: „Springen Sie einfach auf den Tisch“, als ob man nicht jeden Moment durch einen Windstoß zum Lehrstück im Krankenhaus werden könnte. (Übersetzt). Der Humor ist treffend, weil er etwas sehr Ernstes sichtbar macht: Patientinnen und Patienten erleben Krankheit oft nicht als heroischen Kampf, sondern als Situation der Unsicherheit, Verletzlichkeit und mitunter auch des Würdeverlusts. Statt die Erkrankung umzudeuten oder vorschnell Mut zuzusprechen, helfen häufig ehrliche, zugewandte Sätze. Gute Kommunikation braucht keine großen Worte – sondern Aufmerksamkeit, Respekt und die Bereitschaft, wirklich zuzuhören.


