
Das sogenannte Primärarztsystem wird derzeit intensiv diskutiert. Die Grundidee: Patientinnen und Patienten sollen künftig grundsätzlich zuerst ihre Hausarztpraxis aufsuchen, bevor sie eine Fachärztin oder einen Facharzt konsultieren können. Der Zugang zur fachärztlichen Versorgung würde damit über die hausärztliche Ebene gesteuert.Befürworter betonen, dass so Doppeluntersuchungen vermieden, unnötige Facharztkonsultationen reduziert und die Versorgung strukturierter und effizienter gestaltet werden könnte. Auch eine bessere Steuerung der Gesundheitsausgaben wird als Argument genannt.Doch aktuelle Analysen zeigen, dass die praktische Umsetzung mit erheblichen Herausforderungen verbunden wäre. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat berechnet, dass ein Primärarztsystem im Durchschnitt bis zu 2.000 zusätzliche Patientenkontakte pro Hausarztpraxis und Jahr mit sich bringen könnte. Angesichts der bereits hohen Auslastung vieler Praxen würde dies einen erheblichen organisatorischen und zeitlichen Mehraufwand bedeuten.Zudem zeigen Erhebungen wie der aktuelle Bertelsmann-Report, dass sich rund ein Viertel der Hausärzt:innen einen vorzeitigen Ausstieg aus der Versorgung vorstellen können – Hauptgründe sind Überlastung, Nachwuchsmangel und zunehmende Bürokratie. In diesem Kontext erscheint fraglich, wie eine zusätzliche Steuerungsfunktion realistisch umgesetzt werden kann.Die Diskussion bleibt daher ambivalent: Einerseits könnte ein Primärarztsystem zu mehr Übersichtlichkeit und Koordination führen, andererseits droht eine zusätzliche Belastung der ohnehin angespannten hausärztlichen Strukturen. Wie ein tragfähiges Modell aussehen könnte, wird die politische Debatte der kommenden Monate prägen.
Doch es gibt eine echte Alternative – und sie kommt aus Baden-Württemberg: HÄPPI. Dieses hausärztliche Primärversorgungsprogramm zeigt, dass Steuerung gelingen kann, wenn sie in unseren Händen liegt und nicht durch zusätzliche Vorschriften von oben verordnet wird. HÄPPI stärkt die Rolle der Hausärzt:innen, reduziert Bürokratie und ist auch für kleine Praxen praktikabel. Es verbindet Steuerung mit echter Entlastung – genau das, was wir bundesweit brauchen
Mehr Infos: https://www.haev.de/themen/haeppi


