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Neue DEGAM-S3-Leitlinie Schilddrüsenknoten: Weniger Screening, weniger Aktionismus, mehr gezielte Steuerung

Schilddrüsenknoten sind häufig, relevante Befunde deutlich seltener. Die neue S3-Leitlinie der DEGAM „Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen. Empfehlungen zu Prävention, Diagnostik und Therapie in der hausärztlichen Versorgung“ setzt ein klares Signal gegen Überdiagnostik. Kein Screening mittels Palpation oder Sonographie, bei Knotennachweis primär TSH statt breiter Labordiagnostik, selektive Kontrollen statt Routineverlauf, und keine Levothyroxin-Therapie zur Knotenverkleinerung. Hausärztlich entscheidend ist die saubere Trennung zwischen häufigen, harmlosen Zufallsbefunden und wenigen Konstellationen mit echtem Malignitäts- oder Interventionsverdacht.

Kernaussagen 

  1. Kein Screening nach Schilddrüsenknoten
    Die Kurzversion formuliert ausdrücklich: kein Screening mittels Sonographie und/oder Palpation. Der Leitlinienreport begründet das mit fehlendem Mortalitätsnutzen und relevanten Schäden durch Überdiagnostik und diagnostische Folgemaßnahmen.
  2. Erste Weichenstellung: Symptomatik, klinischer Verdacht, Inzidentalom
    Bei Symptomen ohne anderes Korrelat oder anamnestisch-klinischem Karzinomverdacht soll gezielt weitergedacht werden; bei vielen inzidentellen Knoten ist dagegen zurückhaltendes Vorgehen angemessen. Als Red flags nennt die Leitlinie unter anderem Heiserkeit/Stimmveränderung, unilaterale Lymphadenopathie, Stridor und schnelles Wachstum.
  3. Labor schlank halten
    Nach sonographischem Knotennachweis steht zunächst die TSH-Bestimmung im Vordergrund. Bei normalem TSH sollen keine weiteren Laborfunktionsparameter bestimmt werden; bei erniedrigtem TSH folgt die Hyperthyreose-Diagnostik einschließlich Szintigraphie bei Knoten ab 1 cm.
  4. Sonographie ja, aber standardisiert und nicht überinterpretiert 
    Die Leitlinie betont die sonographische Beurteilung mithilfe eines Klassifikationssystems wie TIRADS. Wichtig für den Alltag: Knotenwachstum allein ist kein Malignitätskriterium; damit wird einem verbreiteten Trigger für unnötige Eskalation bewusst entgegengewirkt.
  5. Autonome Knoten sind in der Regel kein Dignitätsproblem 
    Bei hyperfunktionellem/autonomem Knoten soll im Regelfall keine weitere Dignitätsabklärung erfolgen. Das hilft, unnötige Karzinomdiagnostik bei funktionell erklärten Befunden zu vermeiden.
  6. Kontrollen selektiv statt seriell
    Bei geringem Malignitätsverdacht kann einmalig nach 3 bis 5 Jahren kontrolliert werden oder sogar ganz auf weitere Abklärung verzichtet werden. Bei erhöhtem/hohem Malignitätsverdacht soll an Spezialist:innen überwiesen werden; ohne erfolgte FNA nennt der Report für EU-TIRADS 4 eine Kontrolle nach 1 Jahr und für EU-TIRADS 5 jährliche Kontrollen. Zudem soll bei bislang stabilen, wiederholt kontrollierten Knoten die Beendigung von Kontrollen aktiv mit Patient:innen besprochen werden.
  7. Therapie nur bei echtem Anlass
    Eine Therapie soll bei lokaler Beschwerdesymptomatik, Malignitätsverdacht und/oder funktionell relevanter Autonomie angeboten werden. Zugleich grenzt die Leitlinie klar ab: Levothyroxin zur Verkleinerung von Schilddrüsenknoten soll nicht eingesetzt werden, ebenso sollen L-Thyroxin/Jod-Kombinationen zu diesem Zweck nicht gegeben werden.