
Adipositas ist längst nicht mehr nur ein individuelles Problem, sondern eine chronische Erkrankung mit dramatischen Folgen für die öffentliche Gesundheit. In Deutschland sind mittlerweile fast ein Viertel der Erwachsenen betroffen – Tendenz steigend. Für uns Hausärzt:innen ist Adipositas damit eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.Die aktuelle S3-Leitlinie Adipositas betont klar: Es braucht einen multimodalen Ansatz aus Ernährungstherapie, Bewegung, Verhaltenstraining und – wenn nötig – medikamentöser oder chirurgischer Therapie. Entscheidend ist dabei nicht der schnelle Effekt, sondern die langfristige Begleitung. Genau hier liegt die besondere Rolle der Hausarztpraxis: Wir können Patient:innen kontinuierlich betreuen, kleine realistische Ziele vereinbaren und so Schritt für Schritt zu nachhaltigen Erfolgen beitragen.Neu auf dem Markt sind GLP-1-Analoga (z. B. Semaglutid, Liraglutid) sowie die noch wirksameren GIP/GLP-1-Kombinationen (z. B. Tirzepatid). Studien zeigen teils beeindruckende Gewichtsreduktionen von bis zu 15–20 % des Körpergewichts. Diese Substanzen haben das Potenzial, die Adipositastherapie grundlegend zu verändern – sie sind aber kein Allheilmittel. Denn:
- Nebenwirkungenwie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und seltener Gallenwegserkrankungen sind häufig und führen nicht selten zum Absetzen.
- DerJo-Jo-Effekt bleibt ein Problem: Wird die Medikation beendet, nehmen viele Patient:innen wieder zu.
- DieKosten sind hoch, eine Dauertherapie wirft Fragen nach Finanzierbarkeit und Indikationsstellung auf.
Wir als Hausärzt:innen müssen daher einen klaren Kurs halten: Medikamente können ein wichtiger Baustein sein, aber sie ersetzen nicht die Lebensstiltherapie. Ohne begleitende Ernährungs- und Bewegungsintervention sind die Effekte kaum nachhaltig.In der Praxis heißt das: Wir sollten die Erwartungen unserer Patient:innen realistisch einordnen, Chancen und Risiken ehrlich besprechen und konsequent auf die Kombination von Lebensstiländerung und medikamentöser Therapiesetzen. Nur so lässt sich die Adipositastherapie sinnvoll und patientenzentriert gestalten.
Mehr Infos:
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https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2206038?utm_source=chatgpt.com


